Menu Engineering hilft dir zu entscheiden, welche Gerichte bleiben, welche einen neuen Preis bekommen, welche du stärker verkaufst und welche von der Karte fliegen. Du prüfst jedes Gericht einer Warengruppe auf zwei Fragen: Verkauft es sich? Gemeint ist sein Anteil am Absatz der Gruppe. Verdient es? Gemeint ist sein Deckungsbeitrag, also Nettopreis minus Wareneinsatz, in Euro. Aus den beiden Antworten ergeben sich vier Felder: Stars, Renner, Rätsel und Penner.
Zwei Schwellen teilen die Gerichte ein. Beliebt ist ein Gericht, wenn sein Absatzanteil mindestens 70 % eines gleichen Anteils erreicht. Bei acht Hauptgerichten liegt die Linie also bei 1 ÷ 8 × 70 % = 8,75 %. Ertragsstark ist es, wenn sein Deckungsbeitrag über dem gewichteten Durchschnitt der Gruppe liegt: Summe aller Deckungsbeiträge ÷ Zahl der verkauften Gerichte.
Mehr steckt in der Methode nicht. Hier liest du, welche Zahlen du brauchst, wie gerechnet wird, ein durchgerechnetes Beispiel mit acht Hauptgerichten in Euro, was die Forschung zur Kartengestaltung wirklich belegt und was die Methode nicht sehen kann.
Was Menu Engineering ist
Entwickelt haben das Verfahren Michael Kasavana und Donald Smith an der Michigan State University, um 1982. So steht es in der Artikelserie der AHLEI zum Menu Engineering, die Kasavana selbst geschrieben hat. Der Kern in einem Satz: Eine Speisekarte zahlt die Miete in Euro, nicht in Prozent.
Das widerspricht einer verbreiteten Gewohnheit, nämlich die Gerichte mit der niedrigsten Wareneinsatzquote nach vorn zu schieben. Die AHLEI warnt, dass solche Gerichte meist die günstigen sind, mit dem kleinsten Deckungsbeitrag. Wer sie pusht, senkt oft den Durchschnittsbon und den Rohertrag. Die Wareneinsatzquote bleibt trotzdem wichtig, denn sie setzt die Preisuntergrenze. Wie du sie ermittelst, steht in unserem Artikel Wareneinsatz berechnen. Menu Engineering setzt danach an: Die Preise stehen, und jetzt geht es darum, welche Gerichte das Lokal tragen.
Die Antwort ist ein Raster aus zwei mal zwei Feldern, die Menu-Engineering-Matrix:
| Deckungsbeitrag unter dem Schnitt | Deckungsbeitrag über dem Schnitt | |
|---|---|---|
| Beliebt | Renner (Arbeitspferd) | Star |
| Wenig beliebt | Penner | Rätsel (Puzzle) |
Vorsicht bei den deutschen Namen
Im Original heißen die Felder Stars, Plowhorses, Puzzles und Dogs. Im Deutschen hat sich keine feste Übersetzung durchgesetzt, und die Begriffe werden widersprüchlich verwendet:
| Kasavana & Smith | In diesem Artikel | g-wie-gastro.de | Lightspeed (CH-DE) |
|---|---|---|---|
| Star | Star | Stars | Gewinner |
| Plowhorse | Renner | Renner | Renner |
| Puzzle | Rätsel | Puzzle | Penner |
| Dog | Penner | Penner | Verlierer |
Das Menu Engineering Worksheet bei g-wie-gastro nennt Penner die Gerichte, die „weder beliebt noch rentabel” sind. Der Lightspeed-Ratgeber nennt dagegen die Gerichte mit hoher Rentabilität und geringer Beliebtheit Penner, also genau die, die man nicht streichen sollte. Wenn du mit deinem Küchenchef oder Steuerberater über Penner sprichst, klärt vorher, welche Definition ihr meint.
Renner-Penner-Liste ist nicht gleich Menu Engineering
Viele Kassensysteme drucken eine Renner-Penner-Liste: alle Artikel, sortiert nach verkaufter Stückzahl. Das ist nur die halbe Matrix. Die Liste sagt dir, was oft geht, aber nicht, was jeder Teller verdient. Ein Gericht ganz oben kann wenig abwerfen, eines ganz unten viel. Erst der Deckungsbeitrag macht aus der Renner-Penner-Analyse ein Menu Engineering.
Die Zahlen, die du brauchst
Drei Zahlen pro Gericht. LeBruto, Ashley und Quain nennen sie 1997 im International Journal of Contemporary Hospitality Management: Verkaufspreis, Wareneinsatz und verkaufte Menge.
- Die verkaufte Menge pro Gericht in einem Zeitraum. Vier Wochen sind eine praktische Länge. Welche Länge du auch wählst, nimm jedes Mal dieselbe.
- Den Nettopreis, ohne Mehrwertsteuer. Hat sich ein Preis im Zeitraum geändert, nimm den, den die Gäste tatsächlich bezahlt haben.
- Den Wareneinsatz pro Teller. Der zweite Teil der AHLEI-Serie betont, dass vollständige Kosten pro Gericht die Analyse erst tragfähig machen, und empfiehlt, die Kostendaten über einen Vierwochenzyklus zu mitteln. Ein veralteter oder geschätzter Wareneinsatz liefert ein Ergebnis, das sicher aussieht und falsch ist. Kalkuliere deshalb zuerst saubere Rezepturen mit Schwund und Ausbeute.
Rechne mit Nettopreisen
In Deutschland steht auf der Speisekarte der Bruttopreis. Die Preisangabenverordnung verlangt den Gesamtpreis einschließlich Umsatzsteuer und für Gaststätten ein Preisverzeichnis. Für die Matrix musst du die Steuer wieder herausrechnen, sonst bläst du jeden Deckungsbeitrag um den Steueranteil auf.
Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen in der Gastronomie dauerhaft der ermäßigte Satz von 7 %, für Getränke weiterhin 19 %. Grundlage ist § 12 Abs. 2 Nr. 15 UStG: Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, „mit Ausnahme der Abgabe von Getränken”.
Nettopreis Speise = Kartenpreis ÷ 1,07
Nettopreis Getränk = Kartenpreis ÷ 1,19
Das ist eine allgemeine Information, keine Steuerberatung. Sonderfälle wie Milchgetränke klärst du mit deinem Steuerberater. In der Schweiz fallen Restaurantleistungen unter den Normalsatz von 8,1 %, in Österreich gelten eigene Sätze. Rechne dort mit dem Satz, den deine Buchhaltung für Speisen ansetzt.
Eine Warengruppe nach der anderen
Vergleiche Hauptgerichte mit Hauptgerichten und Desserts mit Desserts. Die AHLEI empfiehlt, die Artikel in konkurrierende Gruppen aufzuteilen oder nach Tageszeit, etwa Mittag und Abend. Mischst du alles, landet jedes Dessert unten, nur weil es ein Dessert ist. Getränke gehören ohnehin in eine eigene Auswertung, schon wegen des anderen Steuersatzes.
Die Zählung bereinigen
Dafür haben wir keinen veröffentlichten Standard gefunden. Was folgt, ist unsere Überlegung:
- Einladungen aufs Haus, Personalessen und Stornos raus. Ein Teller aufs Haus erhöht die Beliebtheit, ohne dass ein Deckungsbeitrag dahintersteht. Ein storniertes Gericht wurde nie gekocht.
- Festlegen, wie Extras zählen. Entweder rechnest du Preis und Kosten einer Beilage oder eines Aufpreises in den Schnitt des Gerichts ein, oder du lässt Extras ganz weg. Mach es in jedem Zeitraum gleich.
- Vergleichbare Zeiträume nehmen. Weihnachtsfeiern, eine geschlossene Gesellschaft oder eine Woche mit kaputter Fritteuse verzerren den Mix.
Die Matrix: Beliebtheit und Deckungsbeitrag
Beliebtheit: Absatzanteil und die 70-%-Regel
Der Absatzanteil (im Englischen menu mix %) ist der Anteil eines Gerichts an allen verkauften Gerichten seiner Gruppe:
Absatzanteil = verkaufte Menge des Gerichts ÷ verkaufte Menge der Gruppe × 100
Ein Gericht gilt als beliebt, wenn sein Absatzanteil mindestens 70 % eines gleichen Anteils erreicht. Die AHLEI gibt die Formel als 1 ÷ N × 70 % an, wobei N die Zahl der Gerichte in der Gruppe ist:
Beliebtheitsschwelle = (1 ÷ Zahl der Gerichte) × 70 %
Die Schwelle wandert mit der Größe der Gruppe. Deshalb sagt eine pauschale „70 %” allein nichts:
| Gerichte in der Gruppe | Gleicher Anteil | Beliebtheitsschwelle |
|---|---|---|
| 5 | 20,0 % | 14,0 % |
| 8 | 12,5 % | 8,75 % |
| 10 | 10,0 % | 7,0 % |
| 12 | 8,33 % | 5,83 % |
| 16 | 6,25 % | 4,38 % |
| 20 | 5,0 % | 3,5 % |
Warum es gerade 70 % sind, erklären die Quellen nicht. Nimm den Wert als Konvention der Methode.
Deckungsbeitrag: der gewichtete Durchschnitt
Der Deckungsbeitrag (DB) eines Gerichts ist sein Nettopreis minus Wareneinsatz. Die Linie, über die er kommen muss, ist der gewichtete durchschnittliche Deckungsbeitrag der Gruppe:
DB gesamt eines Gerichts = DB pro Teller × verkaufte Menge
Durchschnitts-DB (Schwelle) = DB gesamt der Gruppe ÷ verkaufte Gerichte der Gruppe
Liegt ein Gericht über diesem Schnitt, hat es einen hohen DB; liegt es darauf oder darunter, einen niedrigen DB.
Nimm keinen einfachen Durchschnitt der Deckungsbeiträge. Der behandelt ein Gericht, das 50-mal verkauft wurde, genauso wie eines mit 400 Verkäufen. Im Beispiel unten wechselt ein Gericht das Feld, je nachdem, welchen Durchschnitt du nimmst.
Stars, Renner, Rätsel und Penner
Die Standardregeln der AHLEI sind knapp: Stars behalten, Renner neu bepreisen, Rätsel neu platzieren, Penner streichen. In der Praxis hat jedes Feld ein paar Hebel.
Stars: beliebt und ertragsstark
Sie tragen die Gruppe. Lass sie dort stehen, wo die Gäste sie finden, und schütze Rezeptur, Portion und Lieferanten. Willst du einen Star teurer machen, dann in einem kleinen Schritt, und schau dir die nächste Zählung an.
Renner: beliebt, aber wenig Deckungsbeitrag
Die Gäste mögen sie, aber jeder Teller bringt weniger als der Schnitt:
- Preis in einem kleinen Schritt anheben und die Zählung des nächsten Zeitraums abwarten, bevor du nachlegst.
- Den Teller umbauen. Tausche die teuerste Komponente gegen eine, die niemand vermisst, oder verkleinere die Beilage. Rechne die Rezeptur danach neu.
- Etwas dazu verkaufen. Eine Beilage oder ein Extra mit gutem Deckungsbeitrag hebt, was die Bestellung verdient.
Streich keinen Renner. Für ihn kommen die Leute.
Rätsel: ertragsstark, aber selten bestellt
Jeder Teller verdient gut, aber es gehen zu wenige raus. Mach sie leichter wählbar:
- Neu platzieren, damit das Gericht nicht untergeht.
- Umbenennen oder die Beschreibung neu schreiben, damit der Gast weiß, was er bekommt.
- Vom Service empfehlen lassen, und das Team vorher probieren lassen.
- Den Preis prüfen. Steht er weit über allem ringsherum, kann eine kleine Senkung so viele Teller mehr bringen, dass unterm Strich mehr übrig bleibt.
Penner: wenig beliebt, wenig Deckungsbeitrag
Die Standardantwort ist streichen. Auch eine Fallstudie von 2022 zu einem ungarischen Restaurant empfiehlt, Gerichte zu ersetzen, die immer wieder hier landen. Vorher lohnt eine Frage (unsere Überlegung, nicht Teil der Methode): Erfüllt das Gericht eine Aufgabe, die die Matrix nicht sieht? Das einzige vegetarische Hauptgericht, ein Kinderteller oder ein Gericht, das Abschnitte aus einer anderen Rezeptur verwertet, kann seinen Platz verdienen. Trifft nichts davon zu, gib den Platz einem neuen Gericht.
Ein Rechenbeispiel: acht Hauptgerichte in vier Wochen
Die Zahlen sind für das Beispiel erfunden, für ein gutbürgerliches Restaurant in Deutschland mit Preisen von 2026. Die Kartenpreise sind brutto, gerechnet wird netto mit 7 %.
Schritt 1: Mengen, Preise und Wareneinsatz sammeln
Vier Wochen Hauptgerichte, ohne Einladungen und Stornos: 1.500 verkaufte Hauptgerichte, acht Gerichte.
| Gericht | Verkauft | Absatzanteil | Kartenpreis | Netto | Wareneinsatz | DB | DB gesamt | Beliebtheit | DB | Feld |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Schnitzel Wiener Art | 400 | 26,67 % | 17,90 € | 16,73 € | 4,20 € | 12,53 € | 5.012,00 € | Hoch | Niedrig | Renner |
| Rinderroulade mit Rotkohl | 210 | 14,00 % | 24,50 € | 22,90 € | 7,20 € | 15,70 € | 3.297,00 € | Hoch | Hoch | Star |
| Currywurst mit Pommes | 290 | 19,33 % | 13,50 € | 12,62 € | 3,10 € | 9,52 € | 2.760,80 € | Hoch | Niedrig | Renner |
| Zwiebelrostbraten | 70 | 4,67 % | 34,90 € | 32,62 € | 13,10 € | 19,52 € | 1.366,40 € | Niedrig | Hoch | Rätsel |
| Kalbsleber Berliner Art | 90 | 6,00 % | 19,90 € | 18,60 € | 6,40 € | 12,20 € | 1.098,00 € | Niedrig | Niedrig | Penner |
| Käsespätzle | 110 | 7,33 % | 17,50 € | 16,36 € | 2,90 € | 13,46 € | 1.480,60 € | Niedrig | Hoch | Rätsel |
| Lachsfilet mit Blattspinat | 250 | 16,67 % | 26,50 € | 24,77 € | 8,40 € | 16,37 € | 4.092,50 € | Hoch | Hoch | Star |
| Vegane Gemüsebowl | 80 | 5,33 % | 15,90 € | 14,86 € | 4,60 € | 10,26 € | 820,80 € | Niedrig | Niedrig | Penner |
| Summe | 1.500 | 100 % | 19.928,10 € |
Die Absatzanteile sind auf zwei Stellen gerundet, deshalb ergeben sie zusammen 100,00 % nur ungefähr.
Schritt 2: die Beliebtheitsschwelle
Gleicher Anteil = 1 ÷ 8 = 12,5 %
Beliebtheitsschwelle = 12,5 % × 70 % = 8,75 %
In Tellern = 1.500 × 8,75 % = 131,25
Ein Hauptgericht braucht in den vier Wochen 132 Verkäufe, um als beliebt zu gelten. Schnitzel, Currywurst, Lachs und Rinderroulade schaffen das. Die Käsespätzle liegen mit 110 um 22 Teller darunter.
Schritt 3: die Deckungsbeitragsschwelle
Durchschnitts-DB = DB gesamt ÷ verkaufte Gerichte
= 19.928,10 € ÷ 1.500
= 13,29 €
Zwiebelrostbraten (19,52 €), Lachs (16,37 €), Rinderroulade (15,70 €) und Käsespätzle (13,46 €) liegen darüber. Schnitzel (12,53 €), Kalbsleber (12,20 €), Gemüsebowl (10,26 €) und Currywurst (9,52 €) liegen darunter.
Nimm zum Vergleich den einfachen Durchschnitt der acht Deckungsbeiträge: 109,56 € ÷ 8 = 13,70 €. Auf dieser Linie fallen die Käsespätzle mit 13,46 € unter den Schnitt und werden zum Penner. Schnitzel und Currywurst verkaufen so viele Teller, dass sie den gewichteten Schnitt nach unten ziehen, und genau das soll die Schwelle abbilden. Mit dem falschen Durchschnitt streichst du ein Gericht mit Potenzial.
Und mit Bruttopreisen? Dann hätten die Käsespätzle einen DB von 17,50 € − 2,90 € = 14,60 € statt 13,46 €. Jede Zeile wäre um die Mehrwertsteuer zu hoch, und die Steuer gehört dem Finanzamt.
Schritt 4: was die Wareneinsatzquote gesagt hätte
| Gericht | Wareneinsatzquote (netto) | Feld |
|---|---|---|
| Käsespätzle | 17,7 % | Rätsel |
| Schnitzel Wiener Art | 25,1 % | Renner |
| Rinderroulade mit Rotkohl | 31,4 % | Star |
| Zwiebelrostbraten | 40,2 % | Rätsel |
Nach der Wareneinsatzquote sehen die Käsespätzle wie das beste Gericht der Karte aus und der Zwiebelrostbraten wie das schlechteste. In Euro bringt jeder Rostbraten 6,06 € mehr als ein Teller Käsespätzle.
Schritt 5: Gericht für Gericht entscheiden
- Lachsfilet, Star. So lassen, wie es ist. Portion und Rezeptur halten.
- Rinderroulade, Star. Behalten, und den Preis in diesem Zeitraum nicht anfassen.
- Schnitzel Wiener Art, Renner. Der Bestseller, 0,76 € unter dem Schnitt. Eine Erhöhung um 1,00 € auf 18,90 € hebt den Nettopreis auf 17,66 € und den DB auf 13,46 €. Bleibt es bei 400 Tellern, sind das 372,00 € mehr in vier Wochen. Auf der Tellerseite kannst du bei Panade, Fett oder der Beilagenmenge ansetzen.
- Currywurst mit Pommes, Renner. 3,77 € unter dem Schnitt. Eine Erhöhung um 1,00 € bringt netto 0,93 € mehr pro Teller, bei 290 Tellern 269,70 €, aber mit 10,45 € bleibt sie klar ein Renner. Hier hilft eher ein Extra mit gutem Deckungsbeitrag, etwa eine hausgemachte Soße gegen Aufpreis.
- Zwiebelrostbraten, Rätsel. Der höchste DB, aber nur 70 Verkäufe. Rück ihn auf der Karte nach oben, schreib die Beschreibung neu und brief den Service. Den Preis lässt du: Gäste erwarten, dass ein Rostbraten mehr kostet als die Gerichte daneben, und der Deckungsbeitrag ist der Punkt.
- Käsespätzle, Rätsel. 22 Teller von beliebt entfernt. Lass den Service sie Gästen empfehlen, die ein Hauptgericht ohne Fleisch suchen, und gib ihnen einen klareren Namen und eine bessere Beschreibung.
- Kalbsleber Berliner Art, Penner. 1,09 € unter dem Schnitt, 90 Verkäufe. Braucht die Küche die Leber für nichts anderes, ersetze das Gericht.
- Vegane Gemüsebowl, Penner. 80 Verkäufe und ein niedriger DB, aber das einzige vegane Hauptgericht. Ein Tisch mit vier Personen, von denen eine vegan isst, geht ohne sie vielleicht woanders hin. Bau sie um, mit günstigerem Getreide oder einem Preis näher an den Käsespätzle.
Dann wiederholst du die Analyse in den nächsten vier Wochen und siehst, ob die Änderungen gewirkt haben.
Ein Arbeitsblatt zum Nachbauen
Eine Zeile pro Gericht, ein Tabellenblatt pro Warengruppe. In Excel oder Google Sheets reichen einfache Formeln.
| Spalte | Was hineingehört |
|---|---|
| A. Gericht | Name wie auf der Karte |
| B. Verkauft | Menge im Zeitraum, ohne Einladungen und Stornos |
| C. Absatzanteil | B ÷ Summe von B |
| D. Kartenpreis | Bruttopreis wie auf der Karte |
| E. Nettopreis | D ÷ 1,07 bei Speisen, D ÷ 1,19 bei Getränken |
| F. Wareneinsatz | Aus der Rezepturkalkulation |
| G. DB | E − F |
| H. DB gesamt | G × B |
| I. Beliebtheit | Hoch, wenn C ≥ (1 ÷ Zahl der Gerichte) × 70 %, sonst Niedrig |
| J. DB | Hoch, wenn G > Summe von H ÷ Summe von B, sonst Niedrig |
| K. Feld | Hoch/Hoch Star, Hoch/Niedrig Renner, Niedrig/Hoch Rätsel, Niedrig/Niedrig Penner |
Die gedruckte Karte: was die Forschung wirklich belegt
Die Karte selbst ist der naheliegende Ort, um ein Rätsel nach vorn zu bringen. Und die Speisekartengestaltung ist der Teil des Themas, zu dem es die selbstsichersten Ratschläge und die dünnsten Belege gibt. Wer nach Vorlagen und Layouts sucht, findet viele Gestaltungstools. Hier geht es nur darum, was nachweislich den Absatz verschiebt.
Platzierung und der „Sweet Spot”
Die Idee, dass der Blick zuerst auf eine Stelle knapp über der Mitte der rechten Seite fällt, geht laut Nation’s Restaurant News auf eine Blickverlaufsstudie zurück, die 1978 in einer Fachzeitschrift der Cornell University erschien. Eine Eye-Tracking-Studie von Sybil Yang (San Francisco State University), 2012 im International Journal of Hospitality Management veröffentlicht, fand keinen Beleg für einen Sweet Spot: Im Schnitt lasen die Leute die Karte der Reihe nach, wie ein Buch. Untersucht wurden 25 Personen, gemessen wurde der Blick, nicht die Bestellung. Das ist ein mittelstarker Beleg, reicht aber für die Aussage, dass das „goldene Dreieck” nicht bewiesen ist.
Auch das Umstellen einer echten Karte hat wenig gezeigt. Kincaid und Corsun tauschten in einem Restaurant die Seiten 2 und 3 einer dreiseitigen Karte und verfolgten die Verkäufe vier Monate lang: keine signifikanten Unterschiede. Ein Restaurant, eine Änderung, also ebenfalls ein mittelstarker Beleg.
Was bleibt: Setz ein Rätsel dorthin, wo jemand, der von oben nach unten liest, es nicht übersieht, und prüf die Zählung im nächsten Zeitraum. Dein eigener Vorher-nachher-Vergleich schlägt jede Platzierungsregel.
Preise ohne Eurozeichen
Deutsche Ratgeber empfehlen oft, das €-Zeichen wegzulassen und „18,90” statt „18,90 €” zu schreiben. Der Lightspeed-Ratgeber etwa rät dazu, nennt aber keine Quelle. Getestet hat das eine Studie der Cornell University von Yang, Kimes und Sessarego aus dem Jahr 2009. Sie verglich mittags in einem einzigen Restaurant, dem St. Andrews Cafe des Culinary Institute of America, drei Preisformate: „$20.00”, „20.” und ausgeschriebene Preise. Insgesamt war das Preisformat kein signifikanter Prädiktor für die Ausgaben. In einem geplanten Einzelvergleich gaben Tische mit der Karte ohne Währungszeichen mehr aus als die beiden anderen Gruppen. Die Autoren schreiben selbst, dass die Ergebnisse möglicherweise nur für das Mittagsgeschäft dieses Restaurants gelten. Das Weglassen des Eurozeichens ist also ein billiger Versuch, kein belegter Umsatzhebel.
Beschreibungen
Bekannt wurde die Forschung zu beschreibenden Gerichtenamen vor allem durch Brian Wansink, der später ein Labor an der Cornell University leitete, darunter ein Aufsatz von 2001 in einer Cornell-Fachzeitschrift über beschreibende Namen und Verkäufe. 2018 stellte Cornell wissenschaftliches Fehlverhalten Wansinks fest, unter anderem falsch berichtete Forschungsdaten. Seine Ergebnisse zu Speisenbezeichnungen, und jede Umsatzsteigerung, die daraus zitiert wird, solltest du mit Vorsicht lesen. Für eine gute Beschreibung braucht es keine Statistik: Was sich ein Gast nicht vorstellen kann, bestellt er nicht.
Lockvögel, Kästen und Preisspalten
Lockvogelpreise, also ein sehr teures Gericht, das das nächste vernünftig wirken lässt, wurden überwiegend in Online-Experimenten mit hypothetischen Entscheidungen getestet, und die Ergebnisse widersprechen sich. Eine Studie fand einen Effekt auf die angegebenen Entscheidungen, eine andere keinen. Zu eingerahmten Gerichten, aufgelösten Preisspalten oder der idealen Zahl von Gerichten pro Gruppe haben wir in keine Richtung belastbare Belege gefunden. Beurteile sie nach deinen eigenen Zahlen.
Was Menu Engineering nicht sieht
Die Matrix ist ein guter erster Schnitt, kein Urteil.
- Personal. Der Deckungsbeitrag rechnet hier nur mit dem Wareneinsatz. Ein Gericht, für das ein Koch zwölf Minuten braucht, sieht genauso gut aus wie eines mit zwei Minuten. LeBruto, Ashley und Quain schlugen 1995 vor, jedes Gericht zusätzlich mit hohem oder niedrigem Arbeitsaufwand zu kennzeichnen, und warnten in ihrem Aufsatz von 1997, dass Menu Engineering allein nicht reicht. Manche deutschen Ratgeber rechnen Personalkosten direkt in den Deckungsbeitrag. Das kann man tun, aber dann ist es nicht mehr das Verfahren von Kasavana und Smith, und die Zahlen sind mit anderen Auswertungen nicht vergleichbar.
- Küchenkapazität. Ein Star, der freitags den Grill blockiert, kann jeden anderen Bon bremsen. Die Matrix sieht verkaufte Teller, keine Minuten in der Spitze. Das ist unsere Überlegung und leicht zu prüfen: Frag die Küche, welche Gerichte sie aufhalten.
- Ausweichen. Gäste wechseln zwischen Gerichten. Erhöhst du den Preis eines Renners, nehmen manche lieber ein günstigeres Gericht. Noone und Cachia werteten zwei Jahre Daten aus 48 Filialen einer US-Steakhauskette aus und schlugen vor, solche Ersatzbeziehungen bei Preis- und Platzierungsentscheidungen zu berücksichtigen (2020).
- Kleine Mengen. Ein Gericht mit 30 Verkäufen im Monat kann durch eine einzige große Reservierung das Feld wechseln. Bei kleinen Zahlen nimm einen längeren Zeitraum und handle nicht nach einer einzigen Auswertung.
Andere Modelle
Kasavana und Smith waren nicht die Ersten. Millers Modell von 1980 sortierte Gerichte nach Beliebtheit und Wareneinsatz, und Kasavana und Smith ersetzten den Wareneinsatz durch den Deckungsbeitrag. So steht es im Literaturüberblick der Fallstudie von 2022 in Deturope. Pavesics Kosten-Margen-Analyse von 1983 sortiert Gerichte danach, was sie in der Herstellung kosten und was sie beitragen. Jedes Modell hat eigene Feldnamen. Misch die Bezeichnungen nicht, sonst passiert genau die Verwirrung um Renner und Penner von oben.
Wie oft du es machst
Die AHLEI rät, die Karte zweimal im Jahr zu überarbeiten und die Ergebnisse vierteljährlich zu verfolgen. Für viele deutsche Betriebe passt das gut zum Wechsel von Sommer- und Winterkarte. Zwischen zwei Überarbeitungen zeigt eine Vierwochenauswertung nach jeder Preis- oder Kartenänderung, ob die Änderung gewirkt hat.
Wo Platevio hilft und wo nicht
Klar gesagt: Platevio macht kein Menu Engineering. Es rechnet keinen Wareneinsatz, keinen Deckungsbeitrag, keine Absatzanteile und keine Matrix. Die Schwellen, die vier Felder und das Arbeitsblatt oben entstehen in einer Tabelle oder auf Papier.
Platevio ist ein Kassensystem, das im Browser läuft, für Bestellungen, Küche, Tische und Rechnung. Ein paar Dinge darin helfen bei der Arbeit, ohne sie dir abzunehmen:
- Deine Renner-Penner-Liste, fertig gezählt. Im Umsatzbericht zeigt der Tab Artikel die Verkäufe je Artikel für Tag, Woche oder Monat, mit Stückzahl und Umsatz, nach Stückzahl geordnet. Das ist Spalte B des Arbeitsblatts, ohne Strichliste.
- Ein Protokoll jeder Bestellung. Jede Bestellung bleibt mit ihren Gerichten und Extras gespeichert, so wie sie an die Küche ging und wie sie bezahlt wurde, lesbar in jedem Browser, von überall. Dort liest du ab, was rausging. Die Rechnung dahinter machst du.
- Preise änderst du von jedem Gerät. Sagt die Matrix, dass ein Renner einen Euro mehr braucht, ändert jeder mit Berechtigung den Preis, benennt ein Gericht um oder schreibt die Beschreibung neu, vom Handy, Tablet oder Laptop aus. Das ist die Speisekarten-Software im Kassensystem.
- Der Preis wird in die Bestellung übernommen. Jede Bestellung behält den Preis, zu dem sie aufgenommen wurde. Eine Preisänderung mitten im Service ändert also nicht, was offene Bestellungen kosten.
- Ein Foto zu jedem Gericht. Lade ein Bild für einen Artikel hoch, tausche es aus oder entferne es, und es erscheint neben dem Gericht an der Kasse und auf der Website deines Restaurants, wo sich ein Kunde vorstellen kann, was er bestellt.
Was es nicht kann: keine zeitgesteuerten Preise und keine Aktionen, also änderst du jeden Preis von Hand. Der Umsatzbericht liefert die Stückzahlen, die Rechnung dahinter nicht: Netto herausrechnen, Wareneinsatz und Deckungsbeitrag bleiben deine Arbeit. Wenn der Rest zu deinem Betrieb passt, ist der Preis von Platevio schnell erklärt: kostenlos, keine Kreditkarte, kein Abo.